Eindrücke und Trends 2013/2014

2013 - 2014(English version: click here)

Im Januar 2012 hatte ich für das Jahr 2012 folgende Aussagen gemacht:

  • Zunehmendes Auftragsvolumen
  • Steigendes Preisniveau für qualifizierte Übersetzungen
  • Soziale Netzwerke gewinnen an Bedeutung
  • Technisierung hilft, aber Definition von Austauschformaten und Workflows muss weiter vorangetrieben werden
  • Die maschinelle Übersetzung hat ihre Versprechungen bisher nicht erfüllt
  • Übersetzerverbände sind gefordert, das Aus- und Weiterbildungsangebot auszubauen
  • Die Interessenvertretung der Übersetzungsbranche muss gestärkt werden

Den kompletten Artikel finden Sie hier.

Auch für das Jahr 2013 blieben die Themen mehr oder weniger dieselben, wie sich dem entsprechenden Blick auf 2013 entnehmen lässt.

Für das Jahr 2014 haben sich die Themen für uns etwas verschoben, aber an erster Stelle bleibt nach wie vor:

- Auftragsvolumen und Preise für qualifizierte Übersetzungen steigen
Soziale Netzwerke und Internet-basierte Marktplätze für Übersetzungsdienstleistungen
Zunehmende Technisierung/Interoperabilität der Übersetzungstools
Maschinelle Übersetzung
Der Blick nach vorne – 2014
Spezialisierung, Weiterbildung
Diversifikation
Der Markt teilt sich weiter
Schlussbetrachtungen


Auftragsvolumen und Preise für qualifizierte Übersetzungen steigen

In diesem Zusammenhang ist z. B. eine Studie eines unabhängigen Marktforschungsunternehmens für Käufer von Übersetzungsdienstleistungen sehr interessant. Schon in der Zusammenfassung des Berichtes gibt es 3 Abschnitte mit spannenden Aussagen.

Aussage 1 der Studie von IBISWorld:

“Prices have risen moderately over the past three years, and are forecast to continue rising at a slightly slower rate through 2016. Price increases are due to a recent rise in demand for translation services stemming from increased globalization, rising immigrant populations and growing world trade values.”

Im Gegensatz zur oft geäußerten Meinung vieler Übersetzer steht hier, dass die Preise in den letzten drei Jahren gestiegen sind und auch in den nächsten Jahren weiter steigen werden. Einer der genannten Gründe dafür ist die Zunahme des Volumens an Texten, die übersetzt werden müssen. Über dieses anhaltende Wachstum des Marktes hat Common Sense Advisory schon im Juni berichtet: The language services industry continues to grow, albeit slowly. LSPs: look up and smile. You are part of an industry that is worth US$34.778 billion and continues to grow at 5.13%, despite macroeconomic indicators telling a different story.“ 

Aussage 2 der Studie von IBISWorld:

Buyers must pay the prevailing market price in order to purchase translation services, because there are no equivalent alternatives beyond employing a team of in-house translators. Also detrimental to buyer power is the level of specialization among translation services. There are far fewer suppliers capable of translating rare or highly technical language, making the acquisition of these services more expensive.

Die zweite Aussage der IBISWorld-Studie enthält einigen Sprengstoff. Es wird nicht nur darauf hingewiesen, dass es außer einem Team von Inhouse-Übersetzern keine Alternative zu freiberuflichen Übersetzern gibt, was schlichtweg bedeutet, dass die maschinelle Übersetzung nicht als gangbare Alternative betrachtet wird, sondern es wird auch ganz klar die Aussage gemacht, dass es nur wenige Übersetzer für seltene Sprachen oder spezielle technische Fachgebiete gibt, wodurch der Einkauf dieser Dienstleistungen teurer wird. Wer das nicht als Argument für eine weitere Spezialisierung der Freiberufler wertet, sollte sich vielleicht die dritte Aussage in der Studie anschauen.

Aussage 3 der Studie von IBISWorld:

In general, however, the total number of translation services suppliers has increased considerably in the past three years, due in part to rising internet usage. The majority of suppliers are independent, nonemploying translators. The internet has made it simpler for independent suppliers to find clients and to start their own businesses. The large number of competitors and low market share concentration among translation services providers help to moderate price increases and provide buyers with leverage when negotiating price.

Hier steht ganz deutlich, dass Einkäufer von Übersetzungsdienstleistungen dort, wo es nicht auf spezialisierte Dienstleistungen ankommt, das große Angebot an Dienstleistern nutzen können, um die Preise in Verhandlungen zu drücken.

Soziale Netzwerke und Internet-basierte Marktplätze für Übersetzungsdienstleistungen

In diesem Bereich habe ich im letzten Jahr leider nicht nur positive Entwicklungen gesehen. Der Trend zeigt deutlich, dass die bisherigen Übersetzerplattformen (Proz.com, Translatorscafe etc.) immer mehr an Bedeutung verlieren. Leider nehmen aber die Billigheimer-Plattformen wie oDesk, Elance und wie sie alle heißen zu, und das Schlimme daran ist, dass durch diese Plattformen der Eindruck vermittelt wird, qualifizierte Übersetzungen wären für Peanuts erhältlich. Auch hier sind es die Übersetzer selbst, die durch Unterstützung dieser Plattformen den Ast absägen, auf dem sie sitzen.

social networks, vintage sign

Auf Facebook kam es leider zu einer ausgeprägten Zersplitterung der Übersetzer-Gruppen. Neben den klar definierten Gruppen, die sich bestimmten Aufgaben widmen (z. B. “Find a Translator” für Jobs, “Translators helping Translators” für Terminologiehilfe, “Glossarissimo” als Glossarsammlung), gibt es inzwischen unzählige Gruppen für Übersetzer, so dass es praktisch unmöglich ist, auch nur annähernd allen zu folgen (für deutschsprachige Übersetzer kann man z. B. die Gruppe “Übersetzer/innen” empfehlen, für englischsprachige ist sicherlich “Watercooler” eine empfehlenswerte Gruppe). Es ist erstaunlich, wie viele gute Jobs inzwischen über Facebook vermittelt werden. Daher ist eine professionelle Teilnahme in den oben genannten Gruppen sicherlich empfehlenswert.

Auch LinkedIn und Xing entwickeln sich zunehmend zu Plattformen, auf denen LSPs Freelancer suchen und LSPs und Freelancer Kontakte zu Endkunden knüpfen können.

Für diejenigen, die auf Twitter unterwegs sind, bieten wir mit dem Konto @Translate_Jobs einen Aggregator, um Jobangebote aus verschiedenen Quellen zusammenzuführen. Ähnliche Angebote bieten wir für Nachrichten aus der Übersetzungsindustrie mit @Translate_News, interessante Blogs und Ereignisse aus der Übersetzungsindustrie sind auf @Translate_Blogs und @TranslateEvents zu finden.

Zunehmende Technisierung/Interoperabilität der Übersetzungstools

Auf diesem Gebiet hat sich im letzten Jahr viel getan. Sowohl SDL Trados als auch MemoQ haben sich bemüht, die Interoperabilität zwischen den gängigsten Produkten zu verbessern. Dabei wurden erhebliche Fortschritte erzielt, und selbst bei across mehren sich die Anzeichen für eine Öffnung der Plattform. Insgesamt gesehen ist dies eine sehr positive Entwicklung, da wir als LSP oder Freelancer nicht mehr notwendigerweise mit mehreren Tools arbeiten müssen. Aus unserer Sicht scheint der Hype um die online TM-Tools und Crowdsourcing-Tools wieder etwas nachgelassen zu haben, das kann allerdings auch daran liegen, dass diese Tools möglicherweise in einem anderen Marktsegment ihren Platz gefunden haben. Nach wie vor bin ich mehr als misstrauisch gegenüber Tools, bei denen ich keine Kontrolle über meine TMs habe, bzw. je nach Tool überhaupt kein TM habe.

Jenseits der TM-Tools gibt es allerdings weitere Tools, die in vielen Marktsegmenten der Übersetzungsbranche eine entscheidende Rolle spielen. Auch wenn wir es nicht lieben, gehört dazu z. B. die Bearbeitung von PDF-Dateien, und es ist erschreckend, wie viele Übersetzer kein Verständnis über die Funktion und den Aufbau von PDF-Dateien haben. Wer versucht, PDF-Dateien, egal mit welchem TM-Tool, zu übersetzen, ist selbst schuld, wenn er/sie dabei Probleme hat. Es gibt genügend Fortbildungsangebote (z. B. “PDF: der tägliche Horror“), die erklären, wie man PDF-Dateien bearbeiten kann.

Eine andere Technologie, die leider viel zu wenig Beachtung findet, ist Spracherkennungssoftware. Mit Dragon Naturally Speaking lässt sich zaubern und der Produktivitätszuwachs, der damit in manchen Bereichen erzielt werden kann, lässt selbst eingefleischte MT/PEMT-Anhänger vor Neid erblassen.

Das bringt uns natürlich direkt zu einem der am kontroversesten und teilweise fast schon hysterisch diskutierten Thema der Übersetzungsbranche: die angebliche Bedrohung durch MT.

Maschinelle Übersetzung

Die teilweise hysterischen Ängste, die viele Übersetzer bezüglich MT haben, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn man sich genau anschaut was auf dem Markt abläuft, kann man verschiedene interessante Details erkennen. Es gibt einige wenige Unternehmen, die den Markt hauptsächlich über Pressemitteilungen und Marketingaktivitäten dominieren, aber jetzt mal Butter bei die Fische, hat irgendjemand schon mal einen mit MT übersetzten Text von Asia Online oder KantanMT gesehen? Sind die so gut, dass man es nicht einmal bemerkt, oder so schlecht, dass niemand die Dienstleistungen kauft. Warum hat Sajan, ein großer LSP, der seit Jahren auf MT setzt, eigentlich gerade von Asia Online zu KantanMT gewechselt (siehe hier). Hat Asia Online doch nicht die 2011 von Sajan so hoch gelobten Ergebnisse gebracht? Oder beginnt hier ein Preiskampf zwischen gleichwertigen Anbietern?

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TriKonf Conference 2013

Wir haben uns während der Trikonf-Konferenz 2013 eingehend mit dem Thema MT beschäftigt, und Jutta Witzel hat es in ihrem MDÜ-Artikel (MDÜ 6/13) wunderschön auf den Punkt gebracht. Ihrer Meinung nach “hat die Trikonf nachhaltig Befürchtungen ausgeräumt, maschinelle Übersetzungen könnten die Arbeit von Humanübersetzern ernsthaft gefährden”. Prof. Philip Koehn hatte in seiner Keynote wirklich anschaulich verdeutlicht, wofür MT eingesetzt werden kann und wofür eben nicht. Eine seiner Kernaussagen war “Ein maschinelles Übersetzungssystem wird niemals den Punkt erreichen, an dem es den Humanübersetzer ersetzen kann”.

Leider vergessen viele Übersetzer oft, dass die meisten der Tools wie Trados, MemoQ, Wordfast, OmegaT, DéjaVu oder auch across, mit denen wir heute arbeiten, auf frühen Arbeiten der MT-Pioniere basieren. TMs, AutoSuggest, Subsegment Matching, AutoAssemble usw., all das sind Funktionalitäten, die aus dem MT-Bereich kommen.

Prpf. Philipp Koehn at TriKonf 2013

Prof. Philipp Koehn delivering his keynote speech at TriKonf 2013

Prof. Koehn sieht deshalb auch die Notwendigkeit, Übersetzer bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Zwei Projekte dazu laufen bereits: Casmacat und Matecat. Es lohnt sich, sich darüber zu informieren und vielleicht sogar dabei mitzumachen.

Meine Überzeugung ist und bleibt, dass MT und MT-Funktionalität am besten in den Händen von Übersetzern aufgehoben ist, und dort auch am besten funktioniert.

Der Blick nach vorne – 2014

Trends 2014

Spezialisierung, Weiterbildung

Webinar Concept, educationDie Spatzen pfeifen es von den Dächern und die Analysten belegen es mit Zahlen: Spezialisierung ist ein Weg, mit dem sich größere Auftragsvolumina, höhere Preise und bessere Gewinne erzielen lassen. Dazu ist eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen. Der Weg der Spezialisierung ist steinig. Neben den Weiterbildungsangeboten der Fachgesellschaften (z. B. BDÜ, ITI, ATA) gibt es jedoch auch „private“ Plattformen mit qualifizierten Weiterbildungsangeboten. Dazu gehören neben den großen MOOCs Plattformen, wie z. B. Coursera oder Udemy auch kleine spezialisierte Anbieter, die spezifische Angebote für die Übersetzungsindustrie zur Verfügung stellen, wie z.B. eCPD Webinars und natürlich das Weiterbildungsangebot vom BDÜ (unter “Seminare”) unsere eigene Weiterbildungsplattform „The Alexandria Library“, die wir erst vor einem Jahr gegründet haben. Für 2014 haben wir mit der Library einiges vor, und werden sie bald um das Auditorium erweitern.

Neben den Fortbildungsangeboten für „etablierte“ Übersetzer wird es allerdings auch immer wichtiger, direkt in die Unis zu gehen. Es kann doch nicht wahr sein, dass die Studenten an sogenannten renommierten Übersetzungsschulen und Universitäten, die einen Kurs in medizinischer Übersetzung besucht haben, noch nie was von den EMA-Templates gehört haben. Da muss wohl etwas mehr Realität und etwas weniger Translationswissenschaft vermittelt werden.

Es ist zu erwarten, dass die privaten Anbieter und wahrscheinlich auch die Übersetzerverbände versuchen werden, diese Lücke zu schließen. Am besten lässt sich dies natürlich an den Unis bewerkstelligen, deshalb würde ich mir wünschen, dass:

  • die Unis mehr den Kontakt zu erfahrenen Übersetzerkollegen und Agenturen suchen würden, um diese in die Ausbildung einzubinden
  • mehr erfahrene Übersetzer an die Unis gehen würden

Diversifikation

Eines der Schlagworte 2013 war sicherlich Diversifikation, je nach Betrachtungsweise ein Hype oder ein Trend, der sicherlich auch durch das sehr lesenswerte Buch von Nicole Y. Adams „Diversification in the Language Industry“ ziemlich angeheizt wurde. Inwieweit Diversifikation einer Spezialisierung entgegenläuft, oder diese sogar unterstützt, ist nicht immer ganz deutlich. So wäre z. B. Medical Writing als zusätzliche Spezialisierung eines medizinischen Übersetzers meiner Meinung nach auch gleichzeitig ein Schritt in Richtung Diversifikation. Bei anderen Diversifikations-Aktivitäten sehe ich doch einige Risiken, die z. B. auch in dem Wikipedia-Artikel zur Produkt-Markt-Matrix angesprochen werden.

Der Markt teilt sich weiter

Wenn man erfahrenen Kollegen wie Chris Durban, die übrigens ein sehr empfehlenswertes Buch geschrieben hat, zuhört, beschreibt sie zwei Übersetzergruppen, „Bulk“ und „Premium“ Übersetzer. Ich beschreibe diese Segmente eher als, Übersetzer, die zum „Buyers Market“ oder „Sellers Market“ gehören. Beide Beschreibungen beziehen sich eigentlich auf sehr ähnliche Marktsegmente.

Das „Bulk/Buyers Market“ Segment ist geprägt von einem deutlichen Druck auf die Preise, einem Überangebot an Übersetzern oder solchen, die sich als Übersetzer bezeichnen. Dieses Marktsegment sehe ich als große Bedrohung für die gesamte Branche, da sie potentiellen Kunden zwei negative Eindrücke vermittelt:

a) Übersetzungen sind für Peanuts zu haben
b) Wir bekommen so häufig schlechte Qualität, dass es sich wahrscheinlich eh nicht lohnt, mehr zu zahlen, da wir die Übersetzungen sowieso nacharbeiten müssen.

Übersetzer im Premium/Sellers Market“ Segment kennen die Probleme kaum, sie sind meistens ausgebucht, erzielen ordentliche Umsätze. Man trifft sie oft auf Konferenzen, bei Fortbildungsveranstaltungen und anderen Industrie-Events.

Jerzy Czopik, ein Kollege, den ich sehr schätze, bringt es regelmäßig auf einen Punkt, wenn er über das Bulk/Buyers Market“ Segment sagt´: “Wir erreichen die Leute in diesem Segment leider nicht, sie sind keine Mitglieder in den Übersetzerverbänden, sie nehmen nicht an Fortbildungsveranstaltungen teil und wursteln oft nur so vor sich hin.“ Er hat recht, und ich habe auch keine Idee, wie sich das ändern lassen könnte. Natürlich wäre es genau für diese Übersetzer wichtig, sich fortzubilden und zu netzwerken, sie würden am meisten davon profitieren, aber genauso wichtig ist es für die Übersetzungsbranche, sich um diese Übersetzer zu kümmern, da sie sonst längerfristig in der Übersetzungsbranche mehr Schaden verursachen können, als alle aktuellen und zukünftigen MT-Lösungen zusammen.


Schlussbetrachtungen

Fotolia_58454679_XS_copyrightWas hat sich 2013 geändert? Nicht wirklich viel, leider hat der erwartete Ruck in der Übersetzungsbranche nicht stattgefunden, es wird immer noch viel gejammert und gemeckert. Anstatt sich aufzuraffen und etwas für die Branche zu tun, zersplittert die Übersetzungsbranche weiter. Nein, es hilft nicht, sich selbst als „außergewöhnlich“ zu bezeichnen, „stolz zu sein“, als Übersetzer zu arbeiten, zu fordern, dass „man seinen Übersetzer lieben soll“ oder sich in noch mehr selbst geschaffene Häuptlings-Pöstchen zu flüchten. Nein, es hilft auch nicht, ständig gegen MT und die bösen Agenturen zu wettern. Das einzige Rezept, das der Branche auf Dauer hilft, ist:

- Mitglied zu werden in den etablierten Übersetzerverbänden und dort mitarbeiten, um diese zu stärken
- Fortbildung/Spezialisierung/Professionalisierung
- Nein sagen zu Aufträgen, die schlecht bezahlt werden oder außerhalb des eigenen Fachbereichs liegen
- Anfänger und Studenten unterstützen, damit sie in die Branche rein wachsen können, ohne dass sie Opfer der Hyänen und Aasgeier in unsere Branche werden.

In diesem Sinne frohes Schaffen für das Jahr 2014, und nicht vergessen, im August zum 20. Weltkongress der FIT in Berlin und im Oktober zur MedTranslate 2014 in Freiburg zu kommen.

Medizinische und Pharma-Übersetzungen – wo es um Leben und Millionen geht

Laptop and Stethoscope“Pharmaunternehmen benötigen immer mehr Übersetzungen und diese meistens sehr schnell, da sonst der von den Zulassungsbehörden vorgeschriebene zeitliche Ablauf der Zulassung neuer Arzneimittel nicht eingehalten werden kann.

In diesem Webinar der Reihe „Von Anwendern für Anwender“ zeigt Siegfried Armbruster, der Inhaber von GxP Language Services und Initiator der Weiterbildungsplattform Alexandria Library für Übersetzer, wie SDL Trados Studio 2011 und die OpenExchange-Tools eingesetzt werden können, um trotz Zeitdruck und hohen fachlichen Anforderungen keinen Stress aufkommen zu lassen. “

Referent
Siegfried Armbruster wechselte nach einigen Jahre als Mediziner in den Niederlanden, der Schweiz, Deutschland und Schottland über die medizinische Informatik in die Übersetzungsbranche.  Nach 15 Jahren als Freelancer und als Projektmanager (2009/2010) für einen amerikanischen LSP gründete er 2011 seine eigene Agentur, GxP Language Services, die sich auf Pharma-, Medizintechnik- und medizinische Übersetzungen konzentriert.
Neben der Qualitätssicherung der erstellten Übersetzungen gilt sein Hauptaugenmerk seit Jahren der Optimierung der Arbeitsabläufe für Freelancer und innerhalb seiner eigenen Agentur.

Infos und Anmeldung unter www.sdl.com/de/events/lt/webinars/2013-02-18-pharmauebersetzungen.html (Anmeldung is kostenlos)

Medizinische Übersetzer – keine Ausnahmen von der Regel

Armbruster, Siegfried (2011). Medizinische Übersetzer – keine Ausnahmen von der Regel  Veröffentlicht in: BW polyglott, November 2011, Ausgabe 2, S. 20

Die Sicht einer kleinen, hochspezialisierten Übersetzungsagentur

Pharma- und Medizintechnikunternehmen sind in besonderem Maße regulatorischen Vorga­ben unterworfen. Projekt-Verzögerungen oder Übersetzungsfehler können schwerwiegende und kostspielige Konsequenzen haben. Deshalb sind Unternehmen aus den GxP-Branchen, die die Richtlinien für „gute Arbeitspraxis” befolgen (müssen), – Großunternehmen ebenso wie zerti­fizierte Übersetzungsagenturen – auf der Suche nach der „eierlegenden Wollmilchsau” der Über­setzungsbranche – dem medizinischen Fachüber­setzer.

Idealerweise sollten medizinische Übersetzer linguistische Kompetenz, medizinisches, phar­makologisches und technisches Fachwissen, Kenntnisse der relevanten regulatorischen Ver­ordnungen, Vorschriften und Standards sowie Kenntnisse der gängigen CAT-Tools (CAT = Com­puter assisted translation) etc. besitzen, und nach ISO 9001 und EN 15038 zertifiziert sein.

Linguistische Kompetenz

Über die erforderlichen linguistischen Kompeten­zen eines Übersetzers lässt sich diskutieren, aber nach EN 15038 muss mindestens eine der folgen­den Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Formale höhere Übersetzungsausbildung
  • Vergleichbare Ausbildung in einem anderen Fachbereich mit mindestens zwei Jahren doku­mentierter Übersetzungserfahrung
  • Mindestens fünf Jahre dokumentierte professi­onelle Übersetzungserfahrung

In EN 15038 sind auch andere Kompetenzen fest­gelegt, wie sprachliche und textliche Kompetenz in der Ausgangs- und Zielsprache, die kontinuier­liche berufliche Weiterbildung oder die Kompe­tenzen auf dem Gebiet der Recherche.

Fachkompetenz

Wie bei den medizinischen Berufen gibt es auch bei medizinischen Übersetzern unterschiedliche Spezialisierungen. Wer sich auf die Übersetzung von Beipackzetteln und Fachinformationen kon­zentriert, ist nicht unbedingt dafür geeignet, eine Benutzeroberfläche für ein Bildarchivierungs­und Kommunikationssystem zu lokalisieren, und Spezialisten für klinische Fragebögen kennen sich nicht notwendigerweise mit chirurgischen Instrumenten aus. Ich behaupte nicht, dass man ohne medizinische Ausbildung keine guten me­dizinischen Übersetzungen erstellen kann. Wer aber auf Terminologie-Seiten im Internet im Kon­text eines orthopädischen Textes über Wirbel­säulenchirurgie zum Beispiel den englischen Be­griff „cervical” dem Gebärmutterhals zuordnet oder in einer Übersetzung schreibt „Bei Diabe­tikern besteht das primäre Behandlungsziel da­rin, möglichst niedrige Blutzuckerwerte zu er­zielen”, zeigt, dass ihm jegliches Verständnis für den Inhalt des Ausgangstextes fehlt. Dies könnte im zweiten genannten Beispiel erhebliche Kon­sequenzen nach sich ziehen, sprich Unterzucke­rung mit nachfolgendem Zuckerschock bis hin zum Tode. Eine regelmäßige Weiterbildung und fundierte Recherchekenntnisse sind deshalb un­abdingbar, um sich das entsprechende Fachwis­sen anzueignen bzw. zu erhalten.

Als hochspezialisierte Übersetzungsagentur für Medizin sind wir immer bestrebt, „den” Spe­zialisten zu finden, und Übersetzer, die in ihrem Profil angeben, dass sie in Recht, Finanzen, Mar­keting, Tourismus und Medizin spezialisiert sind, kommen gar nicht erst in die engere Auswahl.

Regulatorische Kenntnisse

Im regulatorischen Bereich haben Übersetzer wie Übersetzungsagenturen noch Nachholbedarf. Viele Normen und Richtlinien schreiben den ge­nauen Wortlaut für Übersetzungen vor, und Dis­kussionen, ob eine andere Übersetzung besser klingt als der vorgeschriebene Wortlaut, sind un­nötig. Der Kunde muss das übersetzte Dokument womöglich bei einer Zulassungsbehörde einrei­chen und jede Abweichung vom vorgeschriebe­nen Wortlaut kann zur Ablehnung führen und er­hebliche Kosten verursachen.

Regulatorische Vorgaben können sich ändern. So wurden zum Beispiel kürzlich die Standard­texte für Medikamentenbeipackzettel geändert. Übersetzer, die sich nicht regelmäßig auf der Website der Europäischen Arzneimittelbehörde (www.ema.europa.eu) über Änderungen infor­mieren, laufen Gefahr, „falsche” Übersetzungen zu liefern. Dies ist nur ein Beispiel für regulato­rische Vorgaben. Die US-Norm ASTM 2503-05 schreibt unter anderem vor, dass Produkte, die nur unter bestimmten Bedingungen in MRT-Um-gebungen (MRT = Magnetresonanztomographie) betrieben werden können, mit „MR conditional” zu kennzeichnen sind. Wer das nicht weiß (oder recherchiert), wird kaum die Übersetzung „Be­dingt MR-sicher” verwenden, die im Entwurf der DIN 6877-1:2007-12 (Magnetresonanzeinrichtun­gen für die Anwendung am Menschen) vorge­schrieben ist.

CAT-Tools

Übersetzungskosten zu senken, wird oft als der wichtigste Grund für die Verwendung von CAT-Tools genannt. Gerade in den regulierten Bran­chen ist die Konsistenz der Übersetzungen jedoch viel wichtiger. In einem Projekt für ein Pharma­unternehmen fanden wir zum Beispiel bei einem Medikament, das in sechs verschiedenen Konzen­trationen zugelassen ist, bis zu vier verschiedene Übersetzungen für die gleichen Ausgangssätze. Für die Umstellung der Dokumentation von ei­nem dokumentenbasierten System auf ein Con­tent-Management-System müssen diese Über­setzungen konsolidiert werden. Dies verursacht nicht nur einen erheblichen Aufwand bei der Da­tenkonvertierung; die Dokumente der Medika­mente, die von den Änderungen betroffen sind, müssen in ihrer geänderten Form auch von den Zulassungsbehörden genehmigt werden. Mit kun­denspezifischen Translation-Memory-Systemen können CAT-Tools dieses Problem minimieren und dadurch Kosten einsparen, die die Kosten für die Übersetzung um ein Vielfaches übertreffen.

Rollen und Aufgaben

Um als medizinischer Übersetzer oder Überset­zungsagentur mit Schwerpunkt Medizin im aktu­ellen Umfeld erfolgreich zu sein, müssen wir uns vom klassischen Rollenverständnis des Überset­zers verabschieden.

Betrachten wir einmal die Übersetzung ei­nes medizinischen Fragebogens für eine klini­sche Studie (in der Ausgangssprache 482 Wor­te). Klar, werden viele denken, die Übersetzung kann ich in ein paar Stunden machen. Aber die­se Übersetzung ist nur ein Baustein im ganzen Ablauf der Lokalisierung des Fragebogens. Schon vor Projektbeginn wird in unserer Agentur je­der Satz und jeder Begriff in einer „Begriffsana­lyse” erläutert (2123 Worte). Anschließend wird der Fragebogen von zwei spezialisierten Über­setzern übersetzt. Ein Projektkoordinator beur­teilt die beiden Vorwärtsübersetzungen (Bewer­tung der Übersetzung) und erstellt daraus eine konsolidierte Übersetzung. In der Vorwärtsüber-setzungsanalyse (2586 Worte) begründet er für jedes Segment, warum er die eine oder andere Übersetzung bevorzugt oder eine dritte Überset­zung vorschlägt. Diese Version wird durch einen Rückübersetzer zurück in die Ausgangssprache übersetzt. Die Rückübersetzung wird dann vom Auftraggeber mit dem Ausgangstext verglichen und in Form einer Rückwärtsübersetzungsanaly-se (3235 Worte) mit dem Projektkoordinator dis­kutiert, um eventuelle Kontroversen aufzulösen. Die resultierende Übersetzung wird durch einen Mediziner kommentiert und mit dem Projektko­ordinator diskutiert (ärztlicher Prüfbericht, 7059 Worte). Diese Übersetzung wird in Interviews mit fünf Patienten validiert und die Ergebnisse im Pi­lotversuchsbericht (5298 Worte) dokumentiert und diskutiert. Nach Klärung aller Fragen wird sie vom Korrekturleser kontrolliert und die Änderun­gen werden im Änderungsprotokoll (826 Worte) begründet.

Um die endgültige übersetzte Version des Fra­gebogens (556 Worte) zu erstellen, wurden ohne die E-Mail-Kommunikation und einige kleinere Dokumente mitzuzählen, Dokumente mit einem Umfang von 21 127 Worten verfasst. An dem Pro­jekt, das zwei Monate in Anspruch nahm, waren ein Projektvorbereiter (ein Medical Writer), drei Übersetzer, ein Projektkoordinator (ein Überset­zer), ein Mediziner, ein Korrekturleser (ein Über­setzer) und ein Projektmanager des Auftragge­bers beteiligt.

Maschinelle Übersetzungen werden in diesem Arbeitsablauf noch lange keine entscheidende Rolle spielen. Den großen, nicht spezialisierten Übersetzungsbüros, die „perfect” auftreten oder die die Übersetzer mit Löwenanstrengungen in die Cloud zerren möchten, droht das gleiche Schick­sal wie den Vollsortimentern im Einzelhandel, ihre Zeit ist abgelaufen. Die Arbeitsabläufe in der viel gescholtenen und durch das Internet ermöglich­ten Globalisierung verschieben das Gleichgewicht in Richtung kleiner, hochspezialisierter Teams oder kleiner, hochspezialisierter Übersetzungs­agenturen, die den Kunden qualitativ hochwerti­ge Ergebnisse liefern. Daher ist es empfehlens­wert, sich kontinuierlich weiterzubilden, denn teamfähige Übersetzer mit entsprechenden Qua­lifikationen werden zunehmend gesucht.

Armbruster, Siegfried (2011). Medizinische Übersetzer – keine Ausnahmen von der Regel  In: BW polyglott, November 2011, Ausgabe 2, S. 20

Social Media – Profi-Marketingwerkzeug oder Dschungel-Camp?

Social Media – Profi-Marketingwerkzeug oder Dschungel-Camp?

Diamantidis, Anne (2012). Social Media – Profi-Marketingwerkzeug oder Dschungelcamp? In: BW polyglott, März 2012, Ausgabe 3, S. 32f

Selbständige Übersetzer sind Unternehmer -ohne Wenn und Aber. Um erfolgreich zu sein, müssen sie sich neben dem Übersetzen auch um ihre eigene Vermarktung kümmern. Dabei müs­sen sie nicht nur Kunden finden und halten, son­dern sich auch im Dschungel der Übersetzungs­industrie als eigene Marke etablieren. Welches Werkzeug sollte dafür im 21. Jahrhundert besser geeignet sein als das Internet?

Neben anderen In­ternet-Werkzeugen, die für Marketingzwecke ein­gesetzt werden können – wie zum Beispiel E-Mail, eigene Website, eigener Blog – bieten sich dafür Social-Media-Plattformen an. Welchen Nutzen kann man also aus einem Facebook-Profil oder Engagement auf Twitter zie­hen?

Einige Übersetzer haben es ausprobiert und waren vom Ergebnis enttäuscht. Andere dagegen sind extrem enthusiastisch und hören nicht auf zu betonen, welche Vorteile ihnen Xing oder Twitter gebracht haben. Was ist also dran an Social Me­dia? Handelt es sich um ein Profi-Marketingwerk­zeug, das von Übersetzern erfolgreich eingesetzt werden kann, oder ist es nur eine Spielwiese für spätpubertäre Teenager, die um jedes neue So-cial-Media-Tool den gleichen Hype vollführen wie um den Tagessieger im Dschungelcamp?
Bevor Sie sich überlegen, ob Sie Social-Media-Marketing in Ihre Marketingaktivitäten integrieren möchten, sollten Sie sich folgende Frage stellen: Muss oder möchte ich neue Kunden gewinnen?
Wenn Sie diese Frage mit Ja beantworten, soll­ten Sie sich Gedanken über Ihre Marketingaktivi­täten machen. Dazu können auch Aktivitäten im Social-Media-Bereich gehören, um:

  • Ihre Sichtbarkeit zu verbessern und die Wahr­scheinlichkeit zu erhöhen, dass potentielle Kunden Sie finden und kontaktieren,
  • sich als Marke zu präsentieren,
  • die Zahl der Zugriffe auf Ihre Website, Ihren Blog, Ihr Profil zu verbessern.

Social-Media-Plattformen bieten:

Netzwerke
Der Aufbau von weltweiten Netzwerken mit Kolle­gen, Gleichgesinnten, Geschäftspartnern aus der Industrie und potentiellen Kunden ist eine Marke­tingstrategie, die es schon lange vor dem Inter­net gab, die aber auch hier funktioniert.

Job Boards
Viele Agenturen und auch Endkunden verwenden auf der Suche nach qualifizierten Übersetzern nicht nur die Übersetzerportale im Internet, son­dern zunehmend auch Xing, Linkedln, Facebook und Twitter.

Aufbau einer Online-Reputation
Alles, was Sie im Internet schreiben, kann von an­deren Personen gefunden werden (wenn Sie den Zugriff nicht eingeschränkt haben). Dies ist ein sehr mächtiges Werkzeug, mit dem Sie Kollegen und potentiellen Kunden Ihr Wissen, Ihre Erfah­rung und Vertrauenswürdigkeit vermitteln kön­nen. Sie können damit weltweit eine Reputation aufbauen und sich als Experte zu einem Thema oder in einem Fachgebiet positionieren. Richtig eingesetzt wird man Sie früher oder später als die Person wahrnehmen, an die man sich mit einer Übersetzung zu einem bestimmten Thema wen­den sollte. Allerdings können Sie diese Reputation auch sehr schnell zerstören – verwenden Sie also Ihren gesunden Menschenverstand:

  • Trennen Sie Privates und Berufliches
  • Überlegen Sie sich, was Sie in Ihren öffent­lich zugänglichen Foreneinträgen, Tweets und Posts schreiben und wie Sie schreiben
  • Stellen Sie nichts online, was Sie nicht auch im realen Leben zu einem Geschäftspartner sa­gen würden.

Sammeln von Informationen
Unterschätzen Sie nicht den Wert der Informatio­nen wie interessante Veranstaltungen, neue Vor­schriften und Jobangebote, die Sie in Foren oder im Austausch mit anderen Übersetzern zum Bei­spiel auf Facebook erhalten können. Sie alleine können schon eine Teilnahme an den entspre­chenden Social-Media-Plattformen rechtfertigen.

Visibilität & SEO
Dies ist der eigentliche Kern, um den es beim In­ternetmarketing geht. Der potentielle Kunde soll­te Sie finden, bevor er Ihre Mitbewerber findet. SEO steht für Suchmaschinenoptimierung (Search Engine Optimization), und bedeutet, Ihre Online-Präsenz in Form Ihrer Website oder Ihres Profils (auf Xing, Linkedln, ProZ usw.) so zu optimieren/ unterstützen, dass sie von Suchmaschinen wie Google, Bing und Yahoo auf einem höheren Rang, also weiter oben angezeigt wird als die Ihrer Mit­bewerber. Die Suchmaschinen verwenden kom­plexe Algorithmen, um die Reihenfolge zu erstel­len, in der die Ergebnisse angezeigt werden, aber diese Algorithmen basieren im Wesentlichen auf drei Aspekten: Suchbegriffe, Traffic und Aktivität.

Suchbegriffe
Verwenden Sie in Ihren Profilen, Blogs, Forenbei­trägen, Tweets usw. Begriffe und Wortfolgen, die ein potentieller Kunde verwenden würde, um Ihre Dienstleistung zu suchen. Es gibt viele Überset­zer, die in ihren Profilüberschriften oder in den Suchbegriffen zum Beispiel „Freelance Transla­tor” schreiben. Danach sucht niemand. Sie ha­ben doch viel mehr zu bieten – führen Sie also auf, was Sie von anderen unterscheidet wie Ihre Sprachpaare, Ihre Fachgebiete oder zusätzliche berufliche Hintergrundinformationen. Denken Sie daran: Sie möchten gefunden werden, und ein potentieller Kunde könnte in Google zum Beispiel „medizinischer Fachübersetzer Deutsch Englisch mit Erfahrung in klinischer Informatik” eingeben. Ihr Ziel muss es sein, bei einer entsprechenden Suche in Google auf Seite eins aufgeführt zu wer­den (wer interessiert sich schon dafür, was auf Seite drei und danach steht).

Traffic
Je mehr Zugriffe Ihre Website oder Ihre Profilseite hat, desto höher wird sie von Google eingestuft.

Aktivität
Google erkennt, wenn eine Seite längere Zeit in­aktiv ist, und stuft sie automatisch in den Sucher­gebnissen zurück. Eine Webseite, eine Profilseite oder ein Blog, der regelmäßig aktualisiert wird, hält seinen Google-Rang.

All dies können Sie mit relativ geringem finanzi­ellem Aufwand erreichen. Sie brauchen dafür kei­ne bezahlten Mitgliedschaften auf Plattformen wie Linkedln und Xing. Sie müssen
jedoch be­denken: Nur weil Sie ein Profil auf Linkedln oder Xing haben, werden Sie darüber noch lange keine Kunden bekommen. Sie müssen investieren, und zwar Zeit. Social-Media-Marketing funktioniert nur, wenn Sie aktiv sind. Wenn Sie eine bestimm­te Reputation und Visibilität erreicht haben, müs­sen Sie kontinuierlich daran arbeiten, diese zu er­halten. Diese Zeit müssen Sie neben Ihrer Arbeit als Übersetzer aufbringen können, sonst macht es keinen Sinn. Deshalb müssen Sie sich gut überlegen, in welche Social-Media-Plattform Sie Ihre Arbeitszeit investieren möchten. Es folgt eine Auswahl an Social-Media-Platt-formen, die meiner Meinung nach für Übersetzer sinnvoll sein können.

Übersetzungsportale und Verzeichnisse

Natürlich die Datenbank des BDÜ, aber auch Portale   wie  TranslatorsCafe   oder   ProZ   bieten interessan­te  Möglichkeiten und   wir­ken   sich durch ihr  sehr gu­tes Goog­le-Ranking positiv auf das Ranking (SEO) Ihrer eige­nen  Website/Ihres Profils aus.

Business-Plattformen wie Xing oder Linkedln

Hervorragende Optionen und Werkzeuge zum Netzwerken, gute Präsentation der eigenen Fä­higkeiten und hervorragender SEO-Einfluss. Bei­de Plattformen erfordern ein gewisses Maß an Aktivität, um Ergebnisse zu bringen. Linkedln ist internationaler orientiert (nicht so US-lastig wie viele denken) und Xing wird mehr im deutsch­sprachigen Raum verwendet (in Frankreich ist Viadeo eine Option).

Twitter

Wahrscheinlich eine der am meisten unter­schätzten Social-Media-Plattformen für den pro­fessionellen Einsatz. Sie können damit eine hohe Zahl von Zugriffen auf Ihre Website/Ihr Profil er­zeugen. Es eignet sich sehr gut zum Aufbau Ihrer professionellen Reputation, bietet relevante In­formationen wie Links zu angebotenen Jobs und erlaubt es, in einer ungezwungenen Umgebung zu netzwerken. Ist allerdings arbeitsaufwendig.

Google+

Eigentlich ein absolutes Muss, allein schon um Ihr Google-Ranking zu verbessern.

Facebook

Ein sehr mächtiges SEO-Werkzeug, aber auch die schwierigste Plattform. Facebook-Marketing folgt einem komplexen Codex mit vielen Fallstri­cken. Ich empfehle ein reguläres Profil (mit kla­rer Trennung zwischen privaten und geschäftli­chen Aktivitäten) zu verwenden, um einigen der Agenturen zu folgen, die es zur Anwerbung von Übersetzern verwenden.

Zusammenfassend lässt sich sagen – wenn Sie sich auf einer Social-Media-Plattform anmelden, müssen Sie bereit sein, sich längerfristig zu en­gagieren. Es ist besser, kein Profil zu haben, als ein Profil zu haben, auf dem sich sechs Monate lang nichts getan hat.

Letzte Tipps: Vertrauen Sie immer Ihrem gesunden Menschenverstand und haben Sie auch Spaß daran, das gehört dazu! Um ein Gefühl für Social Media zu bekommen, könnten Sie mit der Xing-Gruppe des BDÜ begin­nen, bei weiterem Interesse können Sie mich ger­ne auch für Kurse kontaktieren.

Diamantidis, Anne (2012). Social Media – Profi-Marketingwerkzeug oder Dschungelcamp? In: BW polyglott, März 2012, Ausgabe 3, S. 32f

Warum eigentlich “Stinging Nettle”?

Stinging Nettle

Sie fragen sich vielleicht, warum wir unseren Blog „Stinging Nettle“ genannt haben, und was dieser Name mit dem Themenbereich dieses Blogs zu tun hat. Im Gegensatz zur ersten Assoziation, die sie mit Brennnesseln hatten, geht es uns bei diesem Blog nicht darum, unsere Finger in irgendwelche Wunden zu legen oder Gräben zu vertiefen.

Vielmehr verwenden wir diesen Begriff häufig intern, um auf sprachliche Probleme hinzuweisen, die auf kulturellen Unterschieden basieren.

Die Stinging Nettle (Urtica dioica), auf Deutsch Brennnessel, bietet dafür ein perfektes Beispiel. Wenn Sie die Menschen in Ihrer Umgebung fragen, werden Ihnen die meisten Personen bestätigen, dass beim Berühren einer Brennnessel ein brennendes Gefühl bzw. ein brennender Schmerz ausgelöst wird. In englischsprachigen Ländern wird man Ihnen antworten, dass die Stinging Nettle natürlich „stinging pain“ bzw. eine „stinging sensation“ auslöst. So weit, so gut. Die meisten Übersetzer würden die Begriffe „brennender Schmerz“ bzw. ein „brennendes Gefühl“ als „burning pain“ bzw. „burning sensation“ übersetzen. Und anders herum lässt sich „stinging pain/stinging sensation“ vollkommen korrekt als „stechender Schmerz/stechendes Gefühl“ übersetzen.

Stellen Sie sich jetzt einen medizinischen Fragebogen vor, in dem folgende Frage vorkommt: „How often in the last 7 days did you have a stinging or burning sensation in your legs?“ und der Kunde als Erklärung für “stinging“ vorgibt „the sensation you feel when touching a stinging nettle“.

Es ist klar, dass dieses Gefühl im Deutschen als „brennend“ übersetzt werden würde, leider aber haben wir „burning“ im Ausgangssatz – was also tun?

Dieses Beispiel zeigt sehr schön, dass beim Übersetzen neben den rein linguistischen Kenntnissen, dem domainspezifischen Wissen und den regulatorischen Vorschriften auch kulturelle Unterschiede berücksichtigt werden müssen, die sich nur durch intensive Zusammenarbeit und Diskussion zwischen allen Beteiligten lösen lassen. Der Name unseres Blogs “Stinging Nettle” soll daran erinnern und dient als Aufforderung an all diejenigen, die an Übersetzungsprojekten beteiligt sind, als Team zusammenzuarbeiten.

Willkommen!

Was ist das Ziel dieses Blogs?

Pharma-Unternehmen, medizintechnische Unternehmen, Gesundheitsdienstleister und Unternehmen aus verwandten Branchen, wie z. B. die chemische oder Nahrungsmittelindustrie, müssen immer komplexere regulatorische Anforderungen erfüllen.

Speziell in Europa, aber auch in Nord-Amerika und Asien, sind die Unternehmen in hohem Maße verpflichtet, eine Reihe von Dokumente in die jeweiligen Landessprachen zu übersetzen und zu veröffentlichen. Dabei gibt es eine Vielzahl von nationalen und internationalen Vorschriften und Richtlinien (z. B. REACH-CLP, MSDS, EMA-Templates für PILs und SPCs usw.) zu beachten. Diese Vorschriften haben zum Teil einen direkten Einfluss auf die anzufertigenden Übersetzungen, da sie entweder den Wortlaut genau vorgeben oder weil z. B. bezüglich des Inhaltes für Einwilligungsformulare für klinische Studien in Europa andere Richtlinien gelten als in den USA.

Übersetzungsdienstleister, die diese Richtlinien nicht genau kennen und umsetzen, laufen Gefahr, ihren Kunden fehlerhafte Übersetzungen zu liefern, was nicht nur zum Verlust des Kunden führen, sondern auch erhebliche Kosten verursachen kann.

Leider sind viele Sprachdienstleister und Freelancer nicht vertraut mit diesen Vorschriften und Richtlinien. Ebenso ist vielen Auftraggebern nicht bekannt, wie sie geeignete Dienstleister identifizieren können, bzw. wie man mit diesen Dienstleistern am besten kooperiert, um eine optimale Qualität zu erzielen.
Egal ob es sich um die Übersetzung eines Einwilligungsformulars für eine klinische Studie, die Lokalisierung einer PACS-Software oder Firmen-Website, oder um SOPs für die Herstellung eines Grippe-Impfstoffs handelt – unserer Meinung nach erfordern alle Projekte nicht nur regulatorische, domainspezifische und linguistische Kenntnisse, sondern auch eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. Wie so oft in der Medizin ist das Team, in dem jeder eine bestimmte Rolle erfüllt, die Voraussetzung, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Mit unserem Blog möchten wir eine Brücke schlagen zwischen Unternehmen aus den GxP-Branchen und den Sprach- und Dokumentendienstleistern, um diese Teambildung durch gegenseitiges Verständnis zu unterstützen.

Der Themenkreis, den wir in diesem Blog behandeln möchten, umfasst:
• regulatorische Themen
• relevante Standards und Richtlinien
• Tools, die von Sprachdienstleistern in den Bereichen Übersetzung und Qualitätssicherung verwendet werden
• Prozesse, deren Bedeutung und Einsatzgebiete oft nicht klar sind (z. B. Back-Translation, linguistische Validierung)

Natürlich wird unser Team auch Neuigkeiten aus der Industrie und von Zeit zu Zeit etwas zur Entspannung posten.